[Rezension]: "Chris und Sarah. Die Geschichte einer verbotenen Liebe" von Hannah Ben

21. Juni 2015






Originaltitel: Chris und Sara. Die Geschichte einer verbotenen Liebe
Preis: € 2,99 [D]
Ausgabe: Kindle Edition
Seitenanzahl (Print-Ausgabe): 385
Reihe: keine
Bewertung: ** (2)
Verlag: - (Selfpublisher)
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"Ich liebe sie...", sagte ich leise und meine Stimme war tatsächlich nicht mehr als ein Flüstern. [...] Es laut zu sagen war irgendwie - komisch. Das machte es greifbar. Real. Und es konfrontierte mich mit meiner Schuld." (Seite 96 f. *laut meinem Tolino)

Chris ist arrogant. Er ist ein Arschloch. Er stammt aus gutem Elternhaus und steht kurz vor dem Abi. Er denkt einzig und allein an sich selbst und hat nicht das geringste Problem damit. Und Chris hat ein Verhältnis mit seiner Schwester Sara. Bis die beiden in flagranti erwischt werden. Eine Talfahrt aus Verwirrung und Chaos beginnt und treibt die Beziehung der beiden an ihre Grenzen. Sara muss auf ein Internat, während Chris sich zusammen mit seinem Kumpel Mark ins Partyleben der Oberschicht flüchtet. Gelingt es ihm, seine Zwillingsschwester zu vergessen und sich selbst zu täuschen? Oder gibt es am Ende einen anderen Weg, der die beiden doch noch zusammenführt?

„Sara stöhnte leise.”

Die Geschichte um Chris und Sara ist tatsächlich die einer verbotenen Liebe. Denn die beiden sind Geschwister und eine solche Beziehung ist in Deutschland gesetzlich verboten.

Chris und Sara's Beziehung besteht zunächst nur aus sexueller Anziehungskraft, bis sie eines Tages von ihren Eltern erwischt werden. Zu diesem Zeitpunkt geht alles sehr schnell: Chris fliegt aus seinem Elternhaus raus, es wird ihm der Geldhahn zugedreht und seine Schwester wird in ein weit entferntes Mädcheninternat gesteckt.
Doch irgendwann merkt Chris, das er mehr für Sara empfindet als nur sexuelle Begierde und Geschwisterliebe. Aber hat eine solche, verbotene Liebe überhaupt eine Chance?

Die Charaktere waren mir leider von Anfang an unsympathisch. Chris ist total ätzend, anstrengend und von sich selbst überzeugt (er denkt, er könne seine Lehrerin flachlegen, weil er ja so "geil" wäre).
Er hat keinerlei Respekt, nicht vor seinen Eltern, aber auch nicht vor seinem besten Freund Mark, den er ebenfalls ständig anmacht.  Zwischendurch dachte ich, ich sehe eine Verbesserung, aber Fehlanzeige. Chris interessiert es überhaupt nicht wie es anderen geht, insbesondere nicht Sara. Er ist unhöflich und sein Sprachgebrauch liegt definitiv unter der Gürtellinie. (Ich weiß, das die Autorin genau hiermit einen jugendlichen Schreibstil bezwecken wollte, aber für mich hat es damit leider nichts zu tun). Außerdem schreckt er nicht vor Drogen, Alkohol und Schlägereien zurück.
Sara kann ich leider immer noch nicht einschätzen. Sie bleibt die ganze Zeit über sehr blass und zurückhaltend, was mir aber wesentlich lieber war als Chris' Verhalten. Außerdem scheint sie ein Geheimnis zu bewahren, das am Ende wirklich die Bombe platzen lässt..

Der Schreibstil der Autorin ist sehr ungewöhnlich. Am Anfang hielt ich ihn für einen gelungenen, jugendlichen Stil, aber im Laufe der Handlung hat sich meine Meinung dazu geändert.  Jugendlich bedeutet für mich nicht gleich aggressiv und vor allem asozial. Mir als Leser gefällt eben der "normale" und höflichere Tonfall und wurde hier eher abgeschreckt. Die Geschichte ist aus der Sicht von Chris in der Ich-Perspektive geschrieben und man merkt leider gar nicht, das er aus einem gehobenerem Hause stammt und sein Abitur erfolgreich bestanden hat.

Hätte ich dieses Buch nicht für eine Blogtour gelesen (die übrigens am Montag, den 22.06.2015 startet), hätte ich es bestimmt schon vor der Hälfte abgebrochen. Allerdings gefiel mir das Buch gegen Ende schon besser, denn dort wird irgendwie alles weicher und emotionaler.

Warum dann 2 Eulen trotz der eher negativen Rezension? Gegen Ende hat es mir dann ja doch noch besser gefallen und auch Chris hat eine klitzekleine Entwicklung gemacht. Zudem ist das Thema wirklich außergewöhnlich und es ist schon eine Art Risiko darüber zu schreiben. Die Umsetzung fand ich auch recht gut, nur die Charaktere und der Schreibstil haben mir nicht zugesagt. 
Zuerst hatte ich auch eine höhere Wertung angesetzt, aber im Nachhinein würde ich das Buch einfach nicht nochmal lesen und es hat mir irgendwie doch weniger gefallen, als Anfangs angenommen. (kennt ihr so etwas?)

Falls ich euch nicht zu sehr abgeschreckt habe, könnt ihr ja auch einfach mal die Leseprobe anschauen. Dann bekommt ihr schon mal einen kleinen Einblick und seht, ob dieser Schreibstil vielleicht etwas für euch ist :)


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